Ein Blick hinter die Kulissen des »Innovationszentrums HELMIZ«

Interview /

Seit dem Start des Innovationszentrums HELMIZ im November 2023 arbeiten das Fraunhofer IST, das Fraunhofer IKTS und die Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH gemeinsam daran, Innovationen in der Region zu fördern und den Strukturwandel aktiv mitzugestalten. Mit Projekten in den Bereichen Energiewende, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Landwirtschaft sollen neue Impulse für Unternehmen, Gründungen und regionale Wertschöpfung geschaffen werden. 

Zeit für eine Zwischenbilanz: Im Interview spricht Dr. Guido Hora, Business Development Manager am Fraunhofer IST und zuständig für die Fraunhofer-interne Koordination von HELMIZ, über die bisherigen Entwicklungen und Erfahrungen im Projekt, erfolgreiche Kooperationen sowie die nächsten Schritte auf dem Weg zu einem nachhaltigen Innovationsökosystem in der Wirtschaftsregion Helmstedt.

Glaskugel in einem grünen Wald mit den Symbolen drumherum für u.a. CO₂, Kreislaufwirtschaft, Technologie, Umwelt, Gesellschaft
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Lieber Guido, kannst du uns nochmal ganz kurz sagen, was sich hinter dem Namen »Innovationszentrum Helmstedt« verbirgt? Wer ist daran beteiligt? 

Vielleicht vorab eine kleine Klarstellung: Das frühere Innovationszentrum heißt jetzt Innovationshub Helmstedt, weil wir aus verschiedenen Gründen keine feste vor-Ort-Präsenz einrichten konnten. Der Fraunhofer-Innovationshub Helmstedt arbeitet mit drei Schwerpunkten: Vernetzung, Wissens- und Technologietransfer sowie Innovationsscouting – alles im Rahmen der Förderrichtlinien des STARK-Programms. Unser Ziel ist es, Unternehmen im Landkreis Helmstedt gezielt bei Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsvorhaben zu unterstützen. Besonders im Fokus stehen Energie- und Ressourceneffizienz, Prozessoptimierung, Digitalisierung und nachhaltige Wertschöpfung. Das machen wir, also die beiden Fraunhofer-Institute IST und IKTS, gemeinsam mit der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH, vielen regionalen Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie weiteren, auch überregionalen Fraunhofer- Einrichtungen. Unsere bisherigen Kooperationen konzentrieren sich vor allem auf Energie, Kreislaufwirtschaft und Landwirtschaft, wobei die landwirtschaftlichen Themen in HELMIZ vom Fraunhofer IKTS bearbeitet werden. In der Praxis beginnen wir mit vertraulichen Gesprächen, besuchen die Unternehmen vor Ort und sprechen auch mit den Mitarbeitenden, um deren Sicht auf das Unternehmen und das Arbeitsumfeld kennenzulernen. Gerade diese Phase der Vernetzung macht mir besonders mir viel Freude, weil sie Menschen zusammen- und die Region wirklich voranbringt.

Welche Rolle spielte das Fraunhofer IST am HELMIZ? Wie sehen die (täglichen) Arbeiten aus?

Die Rolle des Fraunhofer IST beim HELMIZ war von Anfang an sehr aktiv und gestaltend. Schon 2019 gab es die ersten Kontakte in die Region Helmstedt – angestoßen durch unseren Institutsleiter Christoph Herrmann und seinen damaligen Stellvertreter Lothar Schäfer. Wir haben die bereits bestehenden Verbindungen des Fraunhofer IKTS aus Dresden genutzt und gezielt um unsere eigenen Netzwerke ergänzt und regional ausgebaut. Schon damals wurden erste Ideen für Technologieansiedlungen und Kooperationen – vor allem rund um Erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft – entwickelt und in persönlichen Gesprächen mit dem Land Niedersachsen und den kommunalen Vertretern diskutiert. Mit der Gründung der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH im Herbst 2021 haben wir den Austausch weiter intensiviert und gemeinsam neue Formate auf die Beine gestellt. Im Alltag heißt das für uns: viel Netzwerkarbeit, regelmäßige Treffen und Workshops mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, und natürlich immer wieder der direkte Draht zu den Unternehmen vor Ort. Wir bringen Akteure zusammen, identifizieren gemeinsam Herausforderungen und entwickeln konkrete Projekte, die die Region wirklich weiterbringen. Kein Unternehmen und kein Betrieb ist wie der andere – und genau das macht die Arbeit so spannend!

Kannst du uns ein paar konkrete Beispiele für gelungene Projekte nennen, die im Rahmen von HELMIZ mit Helmstedter Unternehmen umgesetzt wurden?

Gerne, es gibt einige Beispiele, die zeigen, wie vielfältig die Zusammenarbeit im Rahmen von HELMIZ bereits ist. So wurde beispielsweise der Landkreis Helmstedt eng in die Aktivitäten rund um den Wasserstoffcampus in Salzgitter eingebunden. Ein Helmstedter mittelständisches Unternehmen konnte durch die NBank-Förderung gemeinsam mit dem Fraunhofer IST an einem Projekt arbeiten. Zusammen mit der Handwerkskammer Braunschweig/Lüneburg haben wir erfolgreich ein weiteres Projekt zur Erweiterung des Technologiezentrums in Königslutter beantragt. Hier gestalten und realisieren wir als Fraunhofer IST moderne Lernformate für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Für ein Maschinenbauunternehmen aus Helmstedt haben wir gemeinsam mit der TU Braunschweig und dem Fraunhofer IST einen innovativen Förderantrag zur KI-gestützten Automatisierung im Programm »Unternehmen Revier« ausgearbeitet – leider konnte dieser Antrag aufgrund begrenzter Fördermittel nicht berücksichtigt werden. Ein junges Unternehmen aus der Region mit Schwerpunkt Galvanotechnik konnte erfolgreich als Projektpartner in ein vom Fraunhofer IST konzipiertes und koordiniertes Vorhaben des 8. Energieforschungsprogramms eingebunden werden. Ohne HELMIZ hätte das Unternehmen voraussichtlich keinen Zugang zu entsprechenden Bundes- oder Landesfördermitteln erhalten.

KI-Datenanalysesymbole zur Steigerung der Effizienz in der futuristischen Landwirtschaft, digitalisiertes umweltfreundliches und nachhaltiges Erntekonzept.
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Für die kommenden Jahre sind weitere gemeinsame Projekte mit anderen Fraunhofer-Instituten geplant, um die Zusammenarbeit weiter auszubauen. Fördermöglichkeiten wie »Unternehmen Revier«, Programme der NBank, BMWK oder Direktbeauftragungen werden dabei immer von Anfang an mitgedacht.

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Gab oder gibt es Hindernisse / Probleme bei der Umsetzung von HELMIZ? Und wenn ja, wie habt ihr diese gelöst? 

Größere Hindernisse im klassischen Sinne gab es eigentlich nicht, weil wir das Projekt von Anfang an eng mit der Wirtschaftsregion Helmstedt und dem Land Niedersachsen abgestimmt haben. Dadurch waren die formalen Voraussetzungen klar und die Förderung durch BAFA/BMWE lief reibungslos. Auch die Kooperation mit der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH funktioniert sehr gut – wir tauschen uns regelmäßig mit den Kollegen und Kolleginnen aus Wirtschaftsförderung und Technologietransfer aus. Ein kleiner Stolperstein war das ursprünglich geplante Büro im Haus der Wirtschaft in Helmstedt, das sich aus hauptsächlich strukturellen Gründen leider nur kurz realisieren ließ. Wir haben dann aber einfach umdisponiert und die HELMIZ-Aufgaben vom Hauptstandort Braunschweig übernommen. Da ich selbst in der Nähe wohne, fahre ich oft direkt zu den Unternehmen vor Ort. Unterm Strich läuft die Zusammenarbeit auch ohne festes Büro in Helmstedt reibungslos und pragmatisch weiter!

Was war bisher dein schönstes Erlebnis / der schönste Moment innerhalb des Projekts?

Das ist eine schöne Frage und ehrlich gesagt, gab es schon viele besondere Momente im Projekt. Ein echtes Highlight ist für mich mein kleines Team: Ich hatte wirklich großes Glück, gleich zwei engagierte und motivierte studentische Hilfskräfte an meiner Seite zu haben, die mit viel Eigeninitiative und frischen Ideen dabei waren. Besonders berührt hat mich, dass eine der beiden selbst aus einer strukturschwachen Region kommt – das hat uns auf einer ganz besonderen Ebene verbunden. Und ganz persönlich: Jeder Aufenthalt in meiner Geburtsstadt Helmstedt ist für mich etwas Besonderes. Es ist immer wieder schön, zwischen den Terminen durch die Straßen zu laufen, in denen ich als Kind und Jugendlicher so viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht habe. Wenn ich von der Poststraße über den Markt und die Schuhstraße am Juleum vorbei zum Ziegenmarkt gehe, kommen viele Erinnerungen hoch. Ohne das Projekt wäre ich sicher nicht so oft dort – und ich glaube, meine Großeltern wären ziemlich stolz darauf, dass ich heute versuche dabei zu helfen, Helmstedt ein Stück weit neuen Glanz zu verleihen.

Wie ist die langfristige Perspektive von HELMIZ? Was wünscht du dir für die Zukunft von HELMIZ? 

Die langfristige Perspektive von HELMIZ sehe ich sehr positiv. Das aktuelle Projekt läuft noch bis November 2027, aber es gibt bereits die Möglichkeit und auch erste Gespräche über eine Verlängerung um weitere vier Jahre – vorausgesetzt, der Aufsichtsrat der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH stimmt zu und die Finanzierung über die STARK-Mittel wird zugesichert. Inhaltlich ist eine Weiterentwicklung des HELMIZ-Ansatzes geplant, die auf den bisherigen Erfolgen aufbaut. Besonders spannend finde ich, dass das neue STARK II-Konzept hervorragend zu den Ansiedlungsinteressen des Landkreises Helmstedt, zur High Tech Agenda 2026 und zu den Kompetenzen des Fraunhofer IST im Bereich Batterietechnologie passt. Mein persönlicher Wunsch für die Zukunft von HELMIZ ist, dass wir es schaffen, mit den neuen Ideen und Projekten wirklich nachhaltige, qualifizierte Arbeitsplätze in Helmstedt zu schaffen. Die Region hat seit meiner Jugend viel an Glanz und Bedeutung verloren – es wäre für mich ein echtes Herzensanliegen, wenn wir mit HELMIZ und STARK II dazu beitragen könnten, Helmstedt wieder ein Stück Heimat und Zukunft zurückzugeben. Noch ein bisschen mehr Glanz für meine Geburtsstadt und familiäre Heimat – das wäre mein größter Wunsch für die kommenden Jahre.

 

Förderhinweis

 

Die Arbeiten werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (ehem. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) im Rahmen des Projektes HELMIZ (FKZ 46SKD213X) gefördert .

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